RESONANZEN

REMBRANDT DOKU BEI ARTE: VOM WERT DER KUNST. FAZ, 16.01.2022
Die Arte-Dokumentation „Rembrandts Zeitalter“ unternimmt einen stimmungsvollen Ausflug in den Kunsthandel damals und heute. Viel Zeit für Hintergründiges hat sie nicht. Sehenswert bleibt sie dennoch.
REMBRANDT, DER MALEREMEISTER VON AMSTERDAM, MONOPOL „12 Kunstfilme die sich im Februar lohnen“.“ 
Das 17. Jahrhundert war die Zeit, in der Holland erwachsen wurde,“ eröffnet der Kunsthistoriker Jan Six die neue Arte-Dokumentation über „Rembrandts Zeitalter“. Dabei war dieses „goldene Jahrhundert“ nicht nur eine Zeit des wirtschaftlichen Umbruchs für den kleinen Schifffahrtsstaat, sondern auch ein Kippmoment, der einen Paradigmenwechsel für die Kunst bedeutete – weg von christlicher Motivik, von kirchlichen und aristokratischen Auftraggebern, hin zu einer neuen Klasse von Kunstliebhabern (und -käufern) im erstarkenden Bürgertum, die sich für weltliche Bildthemen begeisterten und Malern durch Mäzenatentum mehr Freiheit im Schaffen schenkten.Einer der größten Malermeister jenes goldenen Zeitalters (dessen Reichtum jedoch maßgeblich auf den Schätzen aus den Kolonien beruhte) war ohne Frage Rembrandt van Rijn. Wieso er nicht nur als Protegé von Kaufleuten Nutznießer des niederländischen Wirtschaftsbooms war, sondern auch selbst erfolgreicher Unternehmer, erklärt die Direktorin des Rembrandt-Haus in Amsterdam, Lidewij de Koekkoek. Im Zentrum des Films steht nichtsdestotrotz der einzigartige Malstil des Künstlers: „Er brach mit der Vorstellung davon, was Schönheit ist.“, erklärt Rembrandt-Sammler Thomas S. Kaplan. „Er legte alle klassischen italienischen Erfindungen beiseite und brachte seinen eigenen Sinn für Schönheit zum Ausdruck. Und zwar ohne jegliche Hemmungen, ob das nun Absicht war oder nicht.“
Für ihre Dokumentation hat die Macherin des Films Frauke Schlieckau unter anderem Kaplan beim Öffnen eines Kästchens über die Schulter geschaut, das das kleinste von Rembrandts Gemälden beherbergt. Sie hat ganz nah an Bilder rangezoomt, die dem öffentlichen Blick für gewöhnlich verborgen bleiben. Mit Bauje Coenen von Sotheby’s hat sie außerdem über die (metaphorisch wie wörtliche) Vielschichtigkeit der Bilder gesprochen und darüber, wie Restauratoren ihre Geheimnisse zu Tage bringen. Herausgekommen ist eine Hommage an den holländischen Goldknaben, die von der Liebe der Interviewten zu seinen Bildern getragen wird. Ein Film, der ein Bild der Zeit zeichnet, die Rembrandt hervorgebracht hat, der ihn anderen Malern seiner eigenen Zeit wie Jan Vermeer gegenüberstellt, und der beleuchtet, was heute noch an ihm bewundert wird.Und wer nachher mehr über die Entdeckung des letzten Rembrandts erfahren möchte, bekommt an dieser Stelle noch eine Hörempfehlung: Reporter und Reporterinnen der „New York Times“ haben dem Kunsthistoriker Jan Six XI, Nachfahre und Namensvetter von Rembrandts Freund und Mäzen, eine gesamte Podcast-Sendung gewidmet.„Rembrandts Zeitalter – Kunst, Markt und Geschäft“, Arte-Mediathek, bis 15. April
3sat-Doku blickt auf KI-Kunst. Sind Maschinen die besseren Gestalter?Tagesspiegel, 25.01.2021  KI’s helfen bei der Bildhauerei, Roboter zeichnen und Algorithmen kreieren Gemälde. Die 3sat-Doku „Reload für die Kunst“ spürt dem Boom von kreativen Maschinen nach.
Wundermaschine? KI-Frau Ai-Da malt, hält Vorträge und stellt Fragen über das Wesen ihrer eigenen Kreativität.

Königin Elisabeth I. durfte Zeit ihres Lebens nur jung und schön dargestellt werden, als starke unsterbliche Regentin. Persönlich soll sie höchstens für fünf Porträts Modell gesessen haben, die meisten Abbildungen von ihr wurden anhand strenger Vorgaben, einer „Maske der Jugend“, erstellt.

Der britische Künstler Mat Collishaw, der am Goldsmith College in London studierte und zur Gruppe der Young British Artists gezählt wird, beendet gut vier Jahrhunderte später diesen Jugendwahn. Er fertigte ein animiertes 3D-Porträt des ungeschönten Gesichts der Königin an – so, wie es ausgesehen haben könnte, mit Hautfalten, Härchen, beweglichen Augen und zuckender Haut.

Behilflich war ihm bei der Modellierung dieser etwas gruseligen Skulptur eine Künstliche Intelligenz. Collishaw sammelte alle Gemälde und Zeichnungen, die von Königin Elisabeth gefertigt wurden, scannte sie ein und ließ sie von einer Software analysieren, die das „realistische“ Bild von ihr berechnete.

Das 40-minütige Feature „Reload für die Kunst – Wie Robotik und KI die Kreativität verändern“, derzeit in der 3sat-Mediathek abrufbar, zeigt anhand von Beispielen aus der internationalen Kunstwelt, wie Künstler und Künstlerinnen die neuen Technologien nutzen, von der Medienkunstpionierin Lynn Hershman Leeson bis zum Künstlerkollektiv Forensic Architecture.

Die Performerin Marina Abramovic tritt den Museumsbesuchern nicht in ihrer wahren Gestalt gegenüber, sondern in Form eines Holograms. Der französische Künstler Patrick Tresset lässt mehrere Roboter, wie in einer Schulklasse sitzend, Porträts eines Models zeichnen; die Maschinen hat er so programmiert, dass sie jeweils ihren eigenen Stil ausbilden. Künstler – ein aussterbender Beruf? Nur Malerstar Markus Lüpertz glaubt das nicht.

Der Tagesspiegel, 25.01.2021